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TV Cinema - Februar 2001

 

Comeback des Bösen

Anthony Hopkins in Hannibal

 

Anthony Hopkins and Julianne Moore at the "Hannibal" premiere in New York

 

Mr Hopkins, wie waren die zehn Jahre ohne Hannibal Lecter?

Schön, dass er wieder da ist, hab ihn vermisst. Zehn Jahre ist eine lange Zeit. Nein, im Ernst: es ist großartig, diese Figur zu spielen!

Den Zuschauern hat es auch gut gefallen, wie Sie das Monster geben.

Ja. Andauernd bitten mich die Leute: "Machen Sie das mit den Augen", und dann öffne ich meine Augen ganz weit und mache so schmatzende Geräusche mit meiner Zunge. Immer gut für einen Lacher.

Waren Sie gleich für eine Fortsetzung von "Das Schweigen der Lämmer" begeistert?

Der Film ist einfach so gut, dass ich ihn nicht durch einen mittelmäßigen Aufguss hätte beschädigen wollen. Der zweite Film musste schon wirklich gut werden. Aber ich fand den Roman "Hannibal" sehr interessant und mochte auch das Drehbuch.

Die Rolle macht sicher großen Spaß...

Schauspielerei ist ja ein Obsession, eine Besessenheit, eine Art Verrücktheit. Die meisten guten Filme handeln von dieser Besessenheit, eben auch "Das Schweigen der Lämmer". Für Hannibal Lecter ging es letztlich immer um eine Romanze mit Clarice.

Versuchen Sie bewusst eine Balance zu halten zwischen künstlerischen Rollen und kommerziellen Projekten?

Eigentlich nicht. "Das Schweiger der Lämmer" und "Hannibal" haben sich so ergeben, aber ich wusste, dass sie kommerzielles Potential besaßen. Sie fielen gewissermaßen vom Himmel. Man entscheidet sich nach den Möglichkeiten, die sich einem bieten.

Wie bereiten Sie sich auf so eine extreme Rolle wie die des Hannibal Lecter vor?

Ich lese das Drehbuch und lerne meinen Text. Dann verlasse ich mein Haus und tauche am Set auf - so einfach ist das! Und so sollte es auch sein, denn nur so wird es real, wird es menschlich. Für "Was vom Tag übrigblieb" habe ich ja auch keine zwei Monate auf dem Land verbracht, nur um zu lernen, wie man Butler wird.

Dafür sollen Sie beim Drehbuchlesen einen besonderen Trick haben...

Stimmt, erst wenn ich mir das Drehbuch 250 Mal laut vorgelesen habe, kann ich sicher sein, dass ich es wirklich kenne. Und damit ich nicht durcheinanderkomme, mache ich mir kleine farbige Markierungen. Viele Leute fragen mich: "Was sollendie Striche da?", und ich antworte: "Das macht die Seiten hübscher." Wenn sie immer noch fragen, sage ich: "Das ist mein Geheimnis". Und das Geheimnis ist, dass ich meinen Text kenne.

Viele Ihrer Kollegen machen tatsächlich ein großes Geheimnis um ihre Vorbereitungen auf eine Rolle...

Vielleicht sind das die besseren Schauspieler - da bin ich mir sogar sicher. Aber sie machen es sich sehr schwer. Für mich ist das Leben viel einfacher.

Identifizieren Sie sich mit Ihren Rollen?

Ja, das muss man auch. Das Schlimmste ist, eine böse Figur, die man spielt, zu verurteilen. Ich habe mal Hitler gespielt (im TV-Film "Der Bunker", 1980), und wenn er, wie es Schauspieler im Fernsehen oft tun, wie ein Zombie wirkt, dann liegt es daran, dass sich der Darsteller von seiner Rolle distanziert hat und die Figur richtet.

Haben die Menschen Angst vor Ihnen?

Meine Frau behauptet das. Manchmal, wenn ich offen auf Menschen zugehe, reagieren sie sehr kühl. Das tut mir weh, aber meine Frau meint, das liegt an meinem Image. Vielleicht spiele ich deshalb so oft diese Typen: Ich kann verstehen, wie isoliert sie sich fühlen.

Sind Sie ein einsamer Mensch?

Einsam nicht, aber ein Einzelgänger.

In den letzten Jahren haben Sie neben einigen der schärfsten männlichen Stars gespielt - Tom Cruise, Brad Pitt, Antonio Banderas. Kommt da Neid auf?

Nein, es ist schön, in großen Filmen mit solchen Sex-Symbolen zu spielen. Und ganz praktisch: Die Mädchen kommen ihretwegen und werfen gleich noch einen Blick auf mich.

Sind das gute Schauspieler?

Ja, deshalb überlass´ ich ihnen das auch. Ich lehn´ mich zurück, mach´ ein Nickerchen und achte darauf, dass der Gehaltsscheck pünktlich kommt.

Was ist Ihre absolute Lieblingsrolle?

Ich habe nach wie vor zwei Favoriten: Hannibal Lecter und Nixon.

Sehen Sie sich Ihre Filme eigentlich an, wenn sie im Fernsehen gezeigt werden?

Ich schau ein, zwei Mal rein, dann schalte ich weiter.

Wie kamen Sie zur Schauspielerei?

Ich hatte gerade nichts besseres zu tun, war eh ein lausiger Schüler und hatte keinen vernünftigen Gedanken im Kopf, als ich im Alter von 15 Jahren Richard Burton in Wales traf. Ich wollte so werden wie er.

Am Anfang Ihrer Karriere haben Sie viel Theater gespielt. Können Sie sich vorstellen, auf die Bühne zurückzukehren?

Nein, das langweilt mich nach spätestens drei Aufführungen. Ich fühle mich dann immer so gefangen.

Man hat Sie in letzter Zeit nicht mehr allzu häufig vor der Kamera gesehen. Wollen Sie sich ganz zurückziehen?

Nein, aber es stimmt, dass ich nicht scharf darauf bin, viel zu arbeiten.

Glauben Sie denn immer noch, dass die Schauspielerei ein leichter Weg ist, seinen Unterhalt zu verdienen?

Es ist auf jeden Fall besser, als richtig arbeiten zu müssen! Es wird viel zu viel Gewese um die Schauspielerei gemacht; die Leute reden auch zuviel darüber. Über Schauspielerei zu sprechen ist wie... (gähnt).

 

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