Make your own free website on Tripod.com

Movie Inside

The Beach

Das Zimmer ist trist eingerichtet. Richard (Leonardo DiCaprio) öffnet die Tür ganz langsam, als er das Blut auf den Lacken und an den Wänden sieht schließt er sie leise hinter sich. Langsam betritt er dieses Szenario, dann der tote Mann auf der Erde. Überall sein Blut. Richard betrachtet die Leiche lange. Das Abenteuer hat er gesucht, das Neue, das Ungewöhnliche. Hat er es jetzt gefunden? Er hat das getan, wonvon so viele ihr lebenlang träumen und es dennoch niemals wagen. Richard ist ausgebrochen, er hat sein eben hinter sich gelassen, seine wichtigsten Sachen geschnappt, 18 Stunden und drei beschissene Spielfilme in einem Flugzeug ausgehalten und so in Bangkok angekommen. Er kennt hier nichs und niemanden, er ist nur ein Rucksacktourist auf der Suche nach Selbstbestimmung, Selbstverwirklichung, Glück und Freiheit. Und Drogen. Richard nimmt sich ein Hotelzimmer, duscht erstmal, er sucht nach einer Richtung.

Und dann lernt er am Abend Daffy (Robert Carlyle) kennen. Er erzählt ihm vom Paradies. Es soll da eine Insel geben und auf dieser Insel gibt es einen Strand. Jenseits jeder Zivilisation leben hier völlig ungezwungen die Menschen, die das gleiche Wagnis eingegangen sind wie Richard, nämlich ihrer Existenz den Rücken zu kehren. Auf Richard wirkt Daffy als wäre er nicht ganz normal und das sagt er ihm auch. Wenn Daffy im Paradies war, warum hat er es verlassen, warum wirkt er so lebensmüde, so depressiv und verkommen. Und warum steht Richard dann am nächsten Morgen vor Daffys Leiche. Selbstmord, die Pulsadern aufgeschnitten. Doch vorher hat er Richard noch eine Erbschaft zukommen lassen. An Richard Hotelzimmertür hängt eine Karte die ihn direkt in das Paradies führen soll.

Richard nimmt dies als Wink des Schicksals und beschließt dem Weg zu folgen. Im Zimmer auf der andern Seite wohnen Francoise (Virginie Ledoyen) und Etienne (Guillaume Canet), ein junges französisches Pärchen, dass ebenso wie Richard mit dem Rucksack unterwegs ist. Zusammen mit ihnen beschließt Richard das Paradies, den verheißungsvollen Strand, zu suchen, ohne auch nur für einen Moment zu ahnen was ihn eigentlich erwartet. Einige Wochen vergehen bis sie endlich nur noch einige Kilometer Ozean von dem sagenhaften Eiland trennen, dieses Hindernis legen sie schwimmend zurück und laufen fast einigen schwer bewaffneten Farmern in die Arme, die hier Dope anbauen. Die drei treten die Flucht durch die Wildnis an und treffen schlie0lich auf Keaty (Paterson Joseph), der sie wirklich an den Strand führt - und zu seinen Bewohnern.

Unter der Führung von Sal (Tilda Swinton) hat am Strand die Gruppe aus etwa 20 Leuten aus aller Herren Länder ein kleines Dorf gebaut. Alle hier verachten die Zivilisation, haben sich deshalb von der Gesellschaft abgewendet und verbringen nun ihre Tage nur noch mit zwei Dingen, entweder mit Fischfang oder damit einfach nur Spaß zu haben. Hier herrscht eine anscheinend ungetrübte Idylle, in der Richard, Francoise und Etienne völlig aufzugehen scheinen.

Doch bald ziehen für die drei dunkle Wolken auf. Richard und Francoise beginnen ein Verhältnis, Sal ist auf Richard scharf, während dieser von Sals Freund Bugs (Lars Arentz-Hansen) bedroht wird, Etienne hingegen gibt Francoise frei, ihr Glück ist ihm wichtiger als das eigene. Als drei Männer von einem Hai angegriffen werden und einer stirbt kommen Richard und Etienne erstmals Zweifel am angeblichen Paradies. Einer der Verletzten schwebt zwar in Lebensgefahr, wird von den anderen jedoch nicht aufs Festland gebracht, denn er könnte vom Strand erzählen und dies muss ein Geheimnis bleiben, denn kommen mehr Leute auf die Insel, so werden die Drogenfarmer, mit denen die Aussteiger in Frieden leben, alle vertreiben, notfalls auch mit Gewalt. Es kommt sogar soweit, dass er, als sein Leiden länger dauert, er von den anderen ausgestoßen wird, Etienne beträut ihn von nun an in einem kleinen Zelt ein Stück vom Dorf entfernt, denn er stört die Idylle. Als zwei Jungs am gegenüberliegenden Strand auftauchen, die Richard auf seiner Reise kennengelernt und denen er die Karte kopiert hatte, rastet Sal aus. Sie befiehlt Richard solange diese zu beobachten, bis sie übersetzen und ihnen dann die Karte abzunehmen. Dies dauert Tage, Richard konsumiert noch stärker Hasch und Pilze. Geplagt von Visonen wird er auf sich allein gestellt in der Wildnis fast wahnsinnig, sein Paradies wird für ihn immer mehr zur Hölle...

 

Unsere Meinung :

Jahrelang krankte Brad Pitt am Kuschelsyndrom. Der talentierte Darsteller war mit Filmen wie "Legenden der Leidenschaft" zum Tennieliebling aufgestiegen, versuchte danach, mit Erfolg, durch besonders krasse Rollen wie in "Twelve Monkeys", "Sieben" oder "Fight Club" seinem Image zu entkommen und zum anerkannten Darsteller zu werden, der nicht nur auf sein Aussehen reduziert wird. Leonardo DiCaprio kennt dieses Problem.

Seine erste ernstzunehmende Rolle spielte er 1993 in "Gilbert Grape" und wurde prompt für den Oscar nominiert. Das Publikum nahm den jungen DiCaprio damals noch nicht wirklich wahr, von der Kritik zwar hochgelobt spielte er trotzdem eher eine Kassengiftrolle: einen geistig behinderten Jugendlichen.

Dann der Durchbruch, DiCaprio spielt die erste Titelrolle in der Baz Luhrmans knalliger Shakespeare-Interpretation von "Romeo und Julia", danach der grandiose "Titanic"-Erfolg. Die Folge ist der Leonardo-Boom und jedes Mädchen über fünf Jahren schmückt ihr Zimmer mit Leonardo-Postern. DiCaprio versucht nun auch seinem Image zu entkommen. Kleine Rollen, wie zum Beispiel in Woody Allens "Celebrity" haben nichts gebracht, als Tennie-Idol ist DiCaprio immer noch in, nun jedoch "The Beach", DiCaprios erster Film mit dem er auf Brad Pitts Spuren wandert, er hat damit begonnen seinen eigenen Mythos zu demontieren um vielleicht doch noch am Ende auf den Schauspieler DiCaprio reduziert zu werden.

In "The Beach" spielt er eigentlich wieder den netten Jungen von nebenan, der er schon in "Titanic" war, jedoch ist er diesemal ein netter Junge der raus will, der ein anderes Leben sucht und dafür auch nicht davor zurückschreckt sein Leben zu riskieren. Der junge Richard ist ein Naivling, er sucht das große Glück der Welt, den endlosen Spaß. Er weiß nicht genau wie dieses Glück überhaupt aussieht, aber die Mythen und seine Fantasien von Thailand lassen ihn glauben, dass er es in dieser Welt, jenseits den klaren Strukturen der Gesellschaft, mit der er aufgewachsen ist, finden wird. Er glaubt seinen Traum später, nachdem er den Strand gefunden und das Mädchen seiner Träume bekommen hat, erreicht zu haben. Und erkennt so nicht, daß er gefangen in einem Alptraum ist.

"Trainspotting"-Regisseur Danny Boyle erzählt in seinem ersten abhängigen Hollywoodfilm mit viel Sarkasmus und in Hochglanzbildern, die fast so düster wie die Nacht sind, obwohl die ganze Zeit die strahlende Sonne scheint, die Geschichte eines Aussteigers, der erkennt, dass es nicht mehr möglich ist von der Gesellschaft unabhängig zu sein ohne zu verwildern. Basieren tut sein Film auf dem Kultroman von Alex Garland, Pflichtlektüre für alle Rucksacktouris.

Jedoch war der Roman den Produzenten zu hart, so wurde das letzte Drittel zu Gunsten eines Hollywood-gerechten Happy Ends - leider - entschärft, das Blutbad findet nun nicht mehr statt. So kehrt Richard nun am Ende in sein Leben zurück, bereit sich mit der Anpassung abzufinden, jedoch wird er nie die ihm gezeigte Schönheit der Natur vergessen, aber auch nicht deren unbarmherzige Härte. An diesem inkonsequenten Finale krankt der Film, denn die Natur schlägt dadurch am Ende nicht zurück, sondern verpaßt den Aussteigern nur einen Denkzettel. Kritisiert wird hier dann nur noch am Rande, Momente in denen die Verlogenheit der Inselbevölkerung klar wird werden nicht vertieft, Szenen wie zum Beispiel wenn Richard in der Stadt für alle möglichen Leute Tampons und Batterien besorgen soll machen klar, dass die Aussteiger nur die Verantwortung, die man als Mitglied der Gesellschaft tragen muss, nicht mehr auf sich nehmen, jedoch die Annehmlichkeiten die diese mit sich bringt auch nicht missen wollen. Zum Tragen kommt dieses Thema leider nicht weiter, der Zuschauer muss sich seine eigenen Gedanken machen. Als düsteres Abenteuerkino gelingt es dem Film jedoch treffsicher zu überzeugen, als Gesellschaftssatire ist er einfach zu zahm.

Trotzdem, für DiCaprio ist der Film ein künstlerischer Erfolg, auch wenn seine drogengetränkten Irrungen durch den Dschungel wie eine Mischung aus Marlon Brando und Rambo wirken, so kann er doch schauspielerisch herausstechen und ist perfekt gegen den Strich besetzt. Das seine 20 Millionen Dollar Gage die Hälfte des gesamten Filmbudgets verschlang wird dabei nebensächlich, knackst das Repertoire des Films dann aber, wenn man an die vielen kleinen Skandale rund um die Produktion denkt, dann doch merklich an. Schließlich wurde für "The Beach" einer der schönsten Strände der Welt von der Filmcrew durch künstlerische Eingriffe zerstört, warum es auch von Umweltschützern auf der ganzen Welt große Schelte gab, die sogar zum Boykott des Films aufriefen. "The Beach" mag ein gelungener Film sein, aber so gut, dass es gerechtfertigt ist dafür ein wunderschönes Fleckchen Erde zu verwüsten, ist er bei weitem nicht.