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Cinema - Dezember 2000

 

Baz Luhrmanns neuestes Filmprojekt: Moulin Rouge

"Romeo & Julia" Regisseur ist nicht gerade bescheiden: Er bereitet die REVOLUTION DES MUSICALS vor. Und er hat einige singende Verschwörer an seiner Seite: Nicole Kidman und Ewan MacGregor.

von Susanne Kohl

 

Das kommt von zu viel Geheimniskrämerei: Weil Regisseur Baz Luhrmann sämtliche Mitwirkenden seines neuen Projekts zu absoluter Diskretion über den Dreh in Sidney verdonnerte, blühten alsbald die Gerüchte. Sogar vom "Fluch des Moulin Rouge" war die Rede.

Nicht ganz ohne Grund: Luhrmann erhielt am ersten Produktionstag des Musicals, das im Paris des Jahres 1899 spielt, die Nachricht vom Krebstod seines Vaters. Kurz darauf brach sich die Hauptdarstellerin Nicole Kidman eine Rippe - und das gleich zweimal. Zuerst beim Cancan-Tanzen, dann bei einer Kostümprobe, als der fast verheilte Knochen in ein Kostüm gezwängt wurde. Alles in alllem verzögerten sich die Dreharbeiten um sieben Wochen und überschnitten sich dadurch mit denen von George Lucas´ Science-Fiction-Saga "Star Wars: Episode II", in der Ewan MacGregor erneut als Obi-Wan Kenobi das Laserschwert schwingen wird. Und Nicole Kidman ist inzwischen für ihren nächsten Film nach Madrid abgereist, so dass ein Teil der Crew ihr nach Spanien folgen musste, um fehlende Szenen nachzudrehen.

Natürlich drang neben diesen Katastrophenmeldungen auch einiges über die Handlung der knallbunten Tragikomödie nach außen: Der junge Dichter Christian (MacGregor) gerät Ende des 19. Jahrhunderts in den dekadenten, Absinth schlürfenden Zirkel des Malers Henri de Toulouse-Lautrec, der mit seiner Gefolgschaft den berühmten Nachtclub Moulin Rouge frequentiert. Er verliebt sich in Satin (Kidman), Star des Etablissements und berühmteste Kurtisane von Paris - eine Beziehung, die zum Scheitern verurteilt ist.

Luhrmann, laut Nicole Kidman ein Besessener seines Berufs, will kein konventionelles Singspiel abliefern, sondern hat sich ganz unbescheiden vorgenommen, das seit Jahren dahinsiechende Musical-Genre neu zu erfinden. "Ich will den Stil weiterentwikeln, den ich mit 'Strictly Ballroom' und 'William Shakespeare´s Romeo & Julia' entworfen habe. Ein mystischer Stoff - in diesem Falle die Sage von Orpheus in der Unterwelt - wird in eine andere Welt übertragen und in einer ungewöhnlichen Ausdrucksform erzählt. In 'Strictly Ballromm' war es der Tanz, in 'Romeo & Julia' die 400 Jahre alte Sprache. Und diesmal ist es eben die Musik."

Und die könnte so manchen pingeligen Historiker überraschen, sollen doch in Luhrmanns Paris des ausgehenden 19. Jahrhiúnderts Songs von U2, Madonna, Elton John, den Beatles und Rodgers & Hammerstein erklingen. "Das Moulin Rouge, das wir erschaffen haben, ist nicht wirklich das von 1899 - es ist das unserer letzten 10 Jahre", erklärt der Regisseur des Anachronismus. Ursprünglich wollte er die Geschichte in der legendären New Yorker Disco Studio 54 ansiedeln, entschied sich dann aber doch für Paris als Schauplatz. "Vieles von dem, was wir heute Popkultur nennen, hatte im Viertel Montmartre jener Zeit seinen Ursprung. Und das Moulin Rouge war deshalb Mittelpunkt, genauso, wie das Studio 54 in den Siebzigern New York dominierte. Die Reichen und Mächtigen konnten sich dort mit den Jungen, Schönen und Mittellosen in einer berauschten, dekadenten Welt vergnügen."

"Uns wurde nie erzählt:'Das kannst du nicht sagen, so kannst du dich nicht bewegen.' Wir haben uns in allen Epochen bedient", bestätigt Nicole Kidman, die wie alle Mitwirkenden sich selbst singt. "Ich bin keine Whitney Houston", sagt sie ehrlich."Verletzbarer kann man nicht werden", beschreibt sie dann auch die Erfahrung, vor 600 Statisten live zu singen. "Es ist, als wenn Baz dich an den Rand einer Klippe führt und dich dann hinunterstößt. Du betest nur: Hoffentlich ist da unten Wasser."

Eigentlich sollte "Moulin Rouge" Ende des Jahres in die US-Kinos kommen, um im Weihnachtsgeschäft Kasse zu machen und beim Oscar-Rennen 2001 dabei zu sein. Doch der Start wurde inzwischen auf den kommenden Sommer verschoben. Nicht nur wegen der sich immer wieder verzögernden Dreharbeiten, wie ein Sprecher 20th Century Fox zugab: "Moulin Rouge" sei ein unkonventioneller, schwieriger Film, ließ das Studio verlauten, der viel Zeit in der Postproduktion brauche. Auch der sonst so selbstbewusste Luhrmann ist sich durchaus bewusst, dass er mit "Moulin Rouge" ein künstlerisches wie kommerzielles Risiko eingeht: "Kann sein, dass Sie zu Tode getrampelt werden, wenn die Zuschauer zu den Ausgängen flüchten." Kann aber auch sein, dass sie die Kinosäle in die andere Richtung stürmen.

 

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