Make your own free website on Tripod.com

MAX - April 1998

 

 

Vor ein paar Monaten war er noch der Fachmann für kleine kratzbürstige Rollen à la "Marvin´s Room" und "The Basketball Diaries". Dann versank Leonardo DiCaprio mit der "Titanic", und als er wieder auftauchte, war er das neueste und jüngste Mitglied im 20-Millionen-Dollar-Club der erfolgreichsten Schauspieler. Ein Gedanke, mit dem er sich noch nicht ganz angefreundet hat. MAX hat den zur Zeit begehrtesten Mann Hollywoods getroffen.

von Sebastian Wesendonck

 

MAX: Was hat sich seit dem Erfolg von "Titanic" in Ihrem Leben vrändert?

Leonardo: Ich habe seit 20 Jahren ein absolut konstantes und beständiges Privatleben. Heute gucken mir in paar mehr Leute nach. Das ist aber auch alles.

MAX: Der Held im erfolgreichsten Film aller Zeiten - und jetzt Business as usual?

Leonardo: Ich will mich auf gar keinen Fall in einen fetten, widerwärtigen Hollywood-Arsch verwandeln. Ich bin ohne viel Geld aufgewachsen und war glücklich. Ich hoffe, ich werde nicht nach dem Geld schielen und raffgierig werden. Solche Leute sind traurige Gestalten. Nur wenn man die Füße auf dem Boden behält, kann man diesen Job lange Zeit mit Freude machen.

MAX: Auf jeden Fall haben Sie mit der Wahl, den Jack Dawson in "Titanic" zu spielen, eine gute Nase bewiesen.

Leonardo: Es war völlig unklar, ob "Titanic" überhaupt Gewinn machen würde. Deswegen habe ich mir die Rolle nicht ausgesucht, sondern weil mich die Figur des Jack berührt hat. Ich wähle Rollen nicht nach der Höhe des Budget aus. Im Gegenteil, ich fühlte mich von größeren Filmen bisher eher abgestoßen, wegen ihres Mangels an Inhalt. Aber meine letzten beiden Filme, "Titanic" und "Der Mann in der eisernen Maske", sind voller Leben. Das größte Geschenk, das man von einem erfolgreichen Film hat, sind die Möglichkeiten, die er einem anschließend eröffnet.

MAX: Was spielen Sie als Nächstes?

Leonardo: Ich habe keine festgesteckten Ziele für meine Karriere. Erst mal mache ich eine Pause, vor 1999 will ich keinen neuen Film anfangen. Ich möchte als Schauspieler weiter lernen und in guten Filmen gute Rollen spielen. Das ist das einzige Ziel, das ich beruflich habe. Darum warte ich gelassen auf den nächsten Film.

MAX: Wohnen Sie noch bei Ihrer Mutter Irmelin in Silver Lake?

Leonardo: Ich habe seit kurzem ein eigenes kleines Appartement, nichts Spektakuläres. Aber ich bin sehr oft bei meiner Mutter. Meistens merkt man doch erst, wie sehr man Muttchen vermißt, wenn sie nicht mehr da ist. Meine Eltern, auch wenn sie geschieden sind, sind so sehr Teil meines Lebens wie meine Beine. Dabei haben sie sich nie überschlagen, um mich zu verwöhnen. Sie waren einfach immer nur da, und sie waren gut zu mir. Freunde von mir sagen, mein Verhältnis zu Mom und Pop wäre schon fast kitschig.

MAX: In Hollywood haben Sie den Ruf eines Partylöwen und Schürzenjägrs...

Leonardo: (macht ein unschuldiges Gesicht) Waaas, ich ?!? Ganz und gar nicht. Aber eines sage ich Ihnen: Prominenz hat einiges für sich. Früher haben mich die Mädels manchmal doch tatsächlich ignoriert (grinst).

MAX: Man sagt Ihnen einen Hang zu Fotomodellen nach.

Leonardo: Warum? Nur weil ich mit Bridget Hall eine Woche zusammen verbracht habe? Die ganze Angelegenheit wurde doch total übertrieben. Ich sage Ihnen mal was: Ich finde mich nicht sonderlich attraktiv. Ich hasse meinen Körper. Ich habe das gleiche Problem wie Edward Furlong. Ich bin viel zu dünn. Und es ist ein totaler Witz, eine Medienerfindung, mich als muskelbepackten Mädchenschwarm darzustellen.

MAX: Was halten Sie von Groupies?

Leonardo: Ich sehe ihre Begeisterung, und es ist wunderbar, so verehrt zu werden, denn diese Anerkennung ist der zentrale Grund, überhaupt zu schauspielern. Schade nur, daß die alle unter 18 sind. Ich kenne kaum irgendwelche meiner Fans persönlich, und es ist mir unmöglich, auch nur einen Bruchteil von ihnen zu treffen.

MAX: Wie gehen Sie emotional mit so viel Erfolg im Leben um?

Leonardo: Ich bin nicht sehr emotional. Ich bin selten sauer. Ich heule nicht. Ich bin nicht oft traurig oder überschwenglich glücklich. Ich versuche einfach nur, zufrieden zu sein.

MAX: Was halten Sie von Eheglück und Familienleben?

Leonardo: Ich habe nicht vor, morgen zu heiraten. Aber wenn die Richtige kommt, warum nicht? Auf jeden Fall muß sie mich mögen, weil ich Leo, der nette Kerl bin, und nicht Leonardo DiCaprio, Meisterschauspieler und "Titanic"-Star.

****

Back to Deutsche Interviews und Artikel

Back to Mainpage