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Berliner Zeitung - 13. Juni 1996

 

Ich glaube nicht, daß ich häßlich bin

Leonardo DiCaprio über Sexsymbole und Kunst

Seit seiner Oscar-Nominierung für die Rolle des behinderten Bruders von Johnny Depp in "Gilbert Grape" gilt Leonardo DiCaprio als kommender Star. Ab heute ist der 22jährige in "Total Eclipse" als junger Dichter Arthur Rimbaud zu sehen. Dieter Oßwald hat mit DiCaprio gesprochen.

Wie kommt man als Amerikaner zu so einem Vornamen?

Meine Eltern waren auf Kultur-Tour in Florenz. Da spürte meine Mutter, die gerade schwanger mit mir war, wie ich in ihrem Bauch wohl etwas heftig strampelte. Abergläubisch, wie mein Dad nun mal ist, nahmen sie das zum Anlaß, mich später Leonardo zu taufen - aber wer weiß, ob das stimmt.

Sie werden oft mit River Phoenix verglichen und gelten wie er als Sexsymbol...

Das bin ja nicht ich als Person, sondern als Schauspieler. Ich kann schon sehr klar trennen zwischen meiner Berühmtheit und mir selbst. Ich weiß, daß man mich überall erkennt. Allerdings verhalte ich micht nicht danach, wie ich mich als Berühmtheit verhalten sollte. Sexsymbol? Nun, ich glaube nicht, daß ich häßlich bin...

Wie sieht Ihre Fanpost aus? Johnny Depp hat sich über die Zusendung von Schamhaaren beschwert. Haben Sie ähnliche Probleme?

Unterwäsche habe ich auch schon bekommen. Das meiste kommt allerdings aus Japan, und die schicken nette Geschenke. Seit ich dort mal bei einem Interview erzählt habe, daß ich Godzilla mag, erreichen mich Godzillas in allen Variationen: Puppen, Anstecker, Münzen...

Wenn Johnny Depp ein Hotelzimmer demoliert, steht es am nächsten Tag ebenso in der Zeitung wie Hugh Grants schneller Sex auf dem Straßenstrich. Wie gehen Sie mit Ihrem Image um?

Ich kann mir nicht vorstellen, jemals ein Hotelzimmer zu demolieren oder mit einer Nutte am Sunset Boulevard Sex zu haben - mich erwischt man höchstens bei weniger aufregenden Dingen. Ich sage nicht, daß ich Mister Goodie-Goodie bin. Aber auf einem Autositz! Das wäre nicht ich. Auch das Hotelzimmer - das würde ich allenfalls in Unordnung hinterlassen. Trotzdem ist s schon seltsam, wenn man in der Öffentlichkeit ständig auf der Hut sein muß.

Was ist der Unterschied zwischen einem Kuß mit Sharon Stone und dem Kuß mit einem jungen Schwulen wie in "This Boy´s Life" oder nun "Total Eclipse"?

Ich mag es eigentlich nicht, Männer zu küssen. Das war eine etwas komische Situation. Wir haben unsere Lippen trockengerieben. Ich wollte das hygienisch haben und keinen Speichel austauschen. Danach haben wir beide noch Alkohol genommen. Bei Sharon was das anders, sie hat sogar meinen Nacken gegriffen. Das war ihre Idee, das stand nicht im Drehbuch. Sie war nicht sehr sanft... Sie versuchte, hart zu sein. (Lacht)

Vom Behinderten in "Gilbert Grape" zum Junkie in "Basketball Diaries" - wie bereiten Sie sich auf solche Extreme vor?

Ich bin nicht der Typ von Schauspieler, der eine Woche auf der Straße leben muß, um seine Rolle spielen zu können. Wenn es etwas gibt, worin ich gut bin, dann darin, Typen zu spielen, ohne deren Erfahrungen zu haben. Mir reicht schon, darübr etwas zu lesen. Dann kann ich es fühlen und spielen. Das ist wohl mein großer Pluspunkt. Ich habe natürlich meine Proben und mache ein paar Versuche. Aber wenn ich Rimbaud spiele, muß ich deswegen nicht nach Europa gehen.

Sie waren bisher meist in anspruchsvollen Projekten zu sehen. Zufall?

Nein. Ich habe viele Groß-Produktionen abgelehnt. Die bringen einen schnellen Kick und den schnellen Erfolg. Aber ich möchte ja noch eine Weile länger im Geschäft bleiben. Ich hätte "Batman" machen können. Aber so etwas schadet nur. Johnny Depp zum Beispiel hat seine eigene Welt um sich herum geschaffen. Er tut, was er will. Das möchte ich auch gern tun: Einfach glücklich sein, ohne diesen Zwang, jeden Tag die Welt erobern zu müssen.

Wieso zögern Sie so lange, die Titelrolle in "James Dean" zu spielen?

Was mich am meisten von der Rolle abhält, ist der Hype, den es darum gibt. Wenn du James Dean spielst, trägst du diese ganze Last mit dir herum. Ich möchte Dean aber nur als Schauspieler und als Mensch zeigen, nicht als romantisierten Mythos. Solange das Studio auf so ein Projekt aus ist, werde ich das nicht machen. Ich werde James Dean nur spielen, wenn der Film perfekt ist. Deswegen warte ich noch. Kubrick wäre ein guter Regisseur.

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